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„Et bliev nix wie et wor“ – Es bleibt nichts wie es war

Eine universelle Überlebensstrategie aus Köln öffnet den Blick für die Zeit nach Corona

Das kölsche Grundgesetz spiegelt einige der urkölschen Eigenheiten. Nennen wir es pragmatisch praktisch. Das allein hilft natürlich nicht aus der Corona-Krise. Aber mit dem Titel „The future ist not what it used to be“ also frei übersetzt mit dem Artikel 5 aus dem kölschen Grundgesetz „Et bliev nix wie et wor (Es bleibt nichts wie es war)“ fasst die Unternehmensberatung McKinsey sieben Thesen zusammen, wie die Normalität nach der Krise aussieht und was das für die Zukunftsplanung von Unternehmen bedeutet. Haben diese Thesen auch für die Printbranche Gültigkeit? Was kann das konkret bedeuten?

Keiner weiß, wie es am Ende dieses Jahres 2020 wirtschaftlich aussehen wird. Allerdings können wir Rückschlüsse aus den Erfahrungen in der Vergangenheit ziehen und damit wahrscheinliche Entwicklungen vorhersehen.

7 Entwicklungen sind laut McKinsey wahrscheinlich:

1. Mehr Distanz und Abgrenzung

2. Resilienz und Effizienz

3. Kontaktfreie Wirtschaft

4. Regierung greift mehr in die Wirtschaft ein

5. Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen

6. Veränderung von Strukturen, Konsumentenverhalten, Marktpositionen und Branchen

7. Das Positive in der Krise sehen

 

Mit der Nutzung des Internets und neuen Telekommunikationsmöglichkeiten schritt die Globalisierung seit Mitte der 90er Jahre rasend schnell voran. Immer bessere und schnellere Lieferketten ermöglichten die Just-in-time-Produktion. Distanz und Abgrenzung wurden bei geöffneten Grenzen und zunehmender Globalisierung Fremdwörter.  

Erste Anzeichen für eine erneute Befürwortung der Abgrenzung zeigten sich schon vor Corona in der Flüchtlingskrise. Inzwischen wurden fast weltweit Grenzen geschlossen, um die fortschreitende Infektion einzudämmen. Reisebeschränkungen werden uns noch länger begleiten. Das macht auch die Beschaffung von Waren oder Dienstleistungen schwieriger, die nicht lokal produziert werden.

Die Printbranche in Deutschland ist von dieser Entwicklung erstmal wenig betroffen, weil Produzenten und Zulieferer innerhalb Deutschlands gut aufgestellt sind und sich damit keine Lücken in Lieferketten ergeben.  

Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, eine Krise zu verkraften und „wieder aufzustehen“. In der Finanzkrise 2008 zeigten Unternehmen, die eine gesunde Bilanz hatten und die Fähigkeit, operative Kosten schnell an gegebene Situationen anpassen zu können, dass sie einen besseren Weg aus der Krise finden können und sogar gestärkt daraus hervorgehen. Das heißt, dass Krisenpläne und Notfallszenarien essentiell geworden sind und Resilienz mindestens genauso bedeutend in der Unternehmensplanung wie Effizienz sein sollte.

Die Printbranche hat vor allem mit hohen Personal- und Maschinenkosten zu kämpfen. Aktuell werden die Personalkosten durch das Kurzarbeit-Programm der Regierung aufgefangen. Die Maschinenstillstandzeiten von Druckereien sind ein großes Thema. Manche Druckereien versuchen Kosten mit Einkäufern zu teilen, um überleben zu können. Da aber auf Einkäufer-Seite durch die Schließung der meisten Verkaufsflächen ebenfalls hohe Einbußen verzeichnet werden, scheint das keine Lösung zu sein. Die wirtschaftlichen Lockerungen, die ab dem 20. April gelten, könnten aber ein Lichtblick für beide Parteien sein.  

Der Onlinehandel – also das kontaktfreie Einkaufen – war in den letzten Wochen in vielen Bereichen die einzige Möglichkeit, einzukaufen. Damit hat die Digitalisierung nochmals neuen Schwung erhalten. Das Kontaktverbot und das Gebot der Verlangsamung der Infektionen hat zudem das Home-Office vorangetrieben.

Diese Entwicklung hat bereits weit vor Corona begonnen und deutliche Spuren im Printbereich hinterlassen. Werbung wurde geteilt in Print und Online. Umsatzeinbußen bei gedruckten Produkten waren die Folge. Es bleibt abzuwarten, wie sich der stationäre Handel nach der Krise entwickelt und welche Printmaßnahmen entwickelt werden, um erfolgreich channelübergreifend für Online-Shops zu werben. Die Vernetzung von Digital und Print schreitet definitiv voran.  

In vielen Ländern haben Regierungen Konjunkturpakete geschnürt. Wie weit die Hilfen gehen – bis zur Verstaatlichung von Unternehmen – ist sehr unterschiedlich. Abzusehen ist aber, dass die Regierung deutlich größeren Einfluss auf die Wirtschaft haben wird. Aktuell ist die Hilfe des Staates für viele Unternehmen der einzige Weg aus der Krise. Auch Privatpersonen sind darauf angewiesen und akzeptieren dafür den größeren Einfluss der Regierung auf die freie Marktwirtschaft. Wie sich diese in den nächsten Jahren wieder daraus zurückzieht, wird eine große Frage bleiben.

Für die Printbranche wird sich zeigen, wie gut Konjunkturpakete funktionieren. Die Selbständigkeit wird zwar erhalten bleiben, die finanzielle Abhängigkeit ist aber ein großes Thema.

Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen zeigt sich in der gesundheitlich so stark angespannten Krise deutlich. Wie gut gehen Führungskräfte auf ihre Mitarbeiter ein, schützen sie vor unnötigen Risiken und schaffen es, Arbeitsplätze zu sichern? Und als weitere Frage: Wie verantwortungsvoll gehen Unternehmen mit staatlichen Hilfen um, die letztendlich von der Gesellschaft getragen werden?

Das Verhalten von Unternehmen wird in der Gesellschaft stärker beobachtet und bewertet werden. Soziale Medien erleichtern dies noch. Das kann für Unternehmen eine Chance sein, sich positiv zu positionieren. Auch die Printbranche sollte das für sich nutzen. Auch wenn es für die Unternehmenskultur eine große Herausforderung ist, kann es auch ein Neuanfang sein.

Beim Blick auf Veränderung von Strukturen, Konsumentenverhalten, Marktpositionen und Branchen muss die Entwicklung und der Effekt für jede Branche individuell gesehen werden. Als Beispiel ist der Automobilsektor gerade durch unterbrochene Lieferketten stark betroffen. Eine stärkere Lagerhaltung oder lokalere Produktion könnten Folgen sein. Der stationäre Handel könnte den Online-Handel noch stärker nach vorne treiben.

Für die Printbranche ergeben sich hier sehr viele Entwicklungsmöglichkeiten. Angefangen bei der stärkeren Vernetzung von Multi-Channel-Marketing, für das bessere Lösungen erarbeitet werden. Über die Verpackungsindustrie, die sich auf neue Versandlösungen konzentrieren könnte. Bis hin zum Eingehen von Partnerschaften verschiedener kleinerer Druckbetriebe, um Stärken zu bündeln und Kosten zu senken.  

Die Corona-Pandemie hat extreme negative Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft. In welchem Ausmaß ist jetzt noch nicht zu fassen. Allerdings bringt auch jede Krise etwas Positives mit sich. Den Blickwinkel zu verändern, um doch das Licht am Horizont zu sehen, ist dabei die Kunst. Gesellschaftlich lernen wir, wie wichtig, die Nähe zu anderen Menschen ist. Wir finden kreative Wege, um zumindest aus der Distanz zu kommunizieren. Das Gegenüber erfährt wieder eine ganz andere Wertschätzung.

Unternehmerisch wurden wir gezwungen zu lernen, aus der Ferne zu arbeiten. Mehr Flexibilität bei gleicher Arbeitsqualität ermöglichen eine neue Sicht auf Arbeitsweisen.

Gesundheitssysteme werden gerade auf Herz und Nieren geprüft. Eine Reformation, die vorher viel zu langsam voranging, weil sie als nicht zwingend notwendig empfunden wurde, dürfte in vielen Ländern die positive Folge sein.

Der Kölner an sich, wie eingangs erwähnt äußerst pragmatisch unterwegs, hat auch zu Krisen die ultimative Weisheit in seinem Kölschen Grundgesetz festgehalten. In Artikel 3 heißt es „Et hätt noch immer jot jejange (Es ist noch immer gut gegangen)“. Wenn alle mitarbeiten, um für sich und für sein Gegenüber das Beste heraus zu holen, kann diese Einstellung vielleicht auch nach Corona Wirklichkeit werden.

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